Al-Rahman – mit Vernunft und Hingabe gedenkt heute mit vielen weiteren Menschen weltweit des Terroranschlags auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) vom 15. März 2019. 

Heute vor einem Jahr stürmte der Rechtsterrorist Brenton Tarrant die Moscheen zweier muslimischer Gemeinden (Al-Noor-Moschee und Linwood Islamic Centre) und tötete insgesamt 51 Menschen und verletzte weitere 50 teils schwer. Die Opfer hatten sich zum Gemeinschaftsgebet versammelt und wurden auf heimtückische Weise angegriffen. Der Täter ließ dabei sein schreckliches Verbrechen per Live-Stream auf Facebook übertragen und versetzte Menschen weltweit in Schrecken und Entsetzen. 

Der 28-jährige australische Staatsbürger und Täter Brenton Tarrant ist zwar ein terroristischer Einzeltäter gewesen, der sich maßgeblich durch den Massenmord des norwegischen Rechtsterroristen Anders Behring Breivik inspirieren ließ. Breivik hatte ein Manifest mit dem Titel: „2083. A European Declaration of Indepence“ verfasst, in dem er von einer angeblichen Rettung Europas vor ,,Kulturmarxismus und Islamisierung“ fabulierte. Dieses Manifest diente mittlerweile schon mehreren Attentätern weltweit als Inspirationsquelle für eigene Anschläge und Manifeste, nicht zuletzt dem Christchurch-Attentäter.

Das Verbrechen des jungen Mannes reiht sich in eine Kette von vergleichbaren Einzeltaten ein, deren leider wohl nicht letzten Glieder die Terroranschläge von Halle und Hanau sind. Es sind Taten von Menschen, die sich über das Internet radikalisiert haben. Dort kommen sie mit kruden Verschwörungstheorien in Kontakt wie etwa der rassistischen These vom ,,großen Austausch“. Sie betören sich gegenseitig und stacheln weitere durch ihre Negativbeispiele zu vergleichbaren Verbrechen an. Nicht nur Muslime, sondern auch jede andere Minderheit ist und kann Ziel solcher Verbrechen sein.

Es ist in erster Linie von Verfassung wegen Aufgabe der zuständigen Strafverfolgungsbehörden solche rechtsterroristischen Umtriebe und Verschwörungen im Internet wie auch im realen Leben zu ermitteln und bei Einschlägigkeit von Straftatbeständen mit Strafen zu ahnden. Es ist ihre Aufgabe Gebetshäuser, Schulen und andere gefährdete zivilgesellschaftliche Institutionen zu schützen. Die zuständigen Behörden können jedoch nicht überall gleichzeitig sein und werden niemals ganzheitlichen Schutz gewährleisten können. Ein allgegenwärtiger Überwachungsstaat, der solches verspricht, ist ohnehin nicht wünschenswert.

Als Mitglieder der Zivilgemeinschaft können wir jedoch dazu beitragen, dass solche Verbrechen das gesellschaftliche Klima nicht vergiften und keine Spaltung herbeiführen in Muslime/Nichtmuslime, Weiße/Nichtweiße, Einheimische/Ausländer etc. Wir können uns gemeinsam und allein gegen Menschenfeindlichkeit jeglicher Art wehren:

– durch Beitritt in Parteien, Vereine, Gemeinschaften etc., die die freiheitlich-demokratische Grundordnung unserer Gesellschaft wertschätzen und erhalten wollen,

– durch Teilnahme an Demonstrationen und anderen Versammlungen gegen Menschenfeindlichkeit und für Zusammenhalt sowie Einheit über Grenzen hinweg,

– durch Zurechtweisung von Mitmenschen im Alltag (Beruf, Familie, Nachbarschaft, im öffentlichen Raum), bei Äußerungen von Rassismus, Frauenhass und sonstiger Intoleranz gegenüber Mitmenschen.

Es gibt sicherlich viele und für jeden Einzelnen auch andere Wege, um zur gegenseitigen Anerkennung und Toleranz beizutragen. Vor allem Eigeninitiative ist gefragt! Eins darf jedoch nicht sein: Stillhalten und damit den Diskurs bzw. Raum den rechtsradikalen Meinungsmachern zu überlassen.

Nehmen wir diesen Gedenktag als Anlass unseren Einsatz für eine gerechte und offene Gesellschaft weiter zu verfolgen. Abschließen möchten wir diesen Erinnerungsbeitrag mit ausgewählten Versen der Lesung, in denen der Wert des menschlichen Lebens hervorgehoben und der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden ausgedrückt wird:

5:32 […] Wenn jemand einen Menschen tötet […], so ist es, als habe er die ganze Menschheit getötet! Und wer einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet! […]

17:70 Wir haben doch wahrlich den Kindern Adams Würde verliehen und sie über Land und Meer getragen und sie versorgt mit guten Dingen und sie ausgezeichnet; eine Auszeichnung vor vielen, die Wir erschaffen.

3:169 Und rechne nicht damit, dass diejenigen, die auf dem Wege Gottes getötet wurden, tot seien, vielmehr sind sie bei ihrem Herrn lebendig und versorgt.

2:154-156 Und sagt nicht über den, der auf Gottes Weg getötet wird: «Tote». Vielmehr sind sie lebendig, ihr aber spürt es nicht. Und prüfen werden wir euch mit etwas von der Angst und dem Hunger und Verringerung von den Vermögen, dem Selbst und den Früchten. Und verkündige den Geduldigen, die, wenn ein Schicksalsschlag sie traf, sagten: «Wir sind Gottes und zu Ihm kehren wir zurück.»

3:104 Und aus euch soll eine Gemeinschaft sein, die zum Guten aufruft, das Erkenntliche gebietet und das Verwerfliche unterbindet. Und jene sind die Erfolgreichen.

9:112 Die Bereuenden, die Dienenden, die Lobenden, die Umherziehenden, die Beugenden, die sich Unterwerfenden, die Gebietenden des Erkenntlichen und die Unterbindenden des Verwerflichen und die Gottes Grenzen Bewahrenden. Und verkünde es den Gläubigen.

In diesem Sinne erbitten wir von Gott, dem Allmächtigen, dass Er uns mit Frieden und gegenseitiger Barmherzigkeit segnen möge sowie mit der Kraft, das Übel in uns zu überwinden und zueinander zu finden.

Frieden sei mit Ihnen!


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